Veröffentlichungen:

* Satiren, Kurzgeschichten, Lyrik, Konkrete Lyrik, Visuelle Texte
in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien.
* Kabarett-Texte für Soloauftritte und für die Programme der
Gruppe SCHWAMM DRÜBER.

Mein ganz privates Lied

Ein Lied - mein schönstes Lied,
ein Lied, so ganz für mich,
das sich nur dem eignen Ohre nicht entzieht,
ein paar Töne, ein paar Worte ... nicht einmal für mich.

Ein Lied, bei dem alles schiefgeht,
bei dem nichts sitzt und kaum was klappt,
bei dem mein Zeitgeist momentan mal stillsteht ...,
bevor der nächste Takt ihn taktlos schnappt.

Ein Lied, bei dem die Leittöne fehlen,
aus Ganzen Halbe werden und umgekehrt,
bei dem sich die schwarzen Töne in die weißen quälen -
so ein Lied verkauft sich nicht; was wär´s dann wert?

Ein Lied, bei dem ein Wort, sagen wir ... das nächste ...
sagen wir... ertränkt,
kurz: bei dem die Lückenwörter Wörterlücken büßen,
ein Lied, bei dem ein ... angenommen ... erhängt ...,
ein solches Lied träte man mit gutem Gewissen mit Füßen.

 

* Geboren irgendwo, Ost-West-Gedichte nach der Wende mit Viola Kühn, Neubrandenburg, Fulda 1999
Beide Lyrikerinnen verraten in ihren Gedichten viel
von ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen und
künsterischen Sozialisation, bedingt durch die
verschiedenen Lebensorte. So wird der Geburtsort
zum äußerlichen und innerlichen
Standort und Fluchtort - geboren irgendwo

(zu bestellen bei der Autorin)


* Iranische Splitter, Texte zu einer Iranreise, Esslingen 2003

ISBN 3-925125-53-1

Linda Wortmann, häufig unterwegs in Sachen
Entwicklungshilfe und Reisedichtung war im Iran.
In einem Land, das unsere Politiker und Medien
immer wieder nennen, das uns aber trotzdem
fremd, ja, unheimlich geblieben ist... Umso mehr
verhilft Linda Wortmann zu Verständnis und
Toleranz - und zu vertieftem Selbstverstehen des
Europäers.

F.P.Künzel



* Verfahren: Bernd Greeger; Roman, Mauer Verlag 2006,
Ein Roman über Eltern, die nicht aufgaben

ISBN 3-93-8606-16-9

Zum Inhalt:
In welche Schule soll der sechsjährige Bernd?
Mit der Schulandmeldung beginnt ein
Entscheidungskrimi, der für den Jungen und seine
Eltern zur Tortur wird und die familiären
Bindungen zu zerstören droht.
Am Ende werden soziale Klischees auf den Kopf
gestellt und Lösungen tun sich aus gesellschaftlich
gern tabuisierten Winkeln auf.
Bei aller Sachkunde ist der Roman mit Humor und
dem Blick über den Tellerrand geschrieben.

Hier zu kaufen

Leseprobe:
Vorstadt, Unruhe, März

Feine Regenschauer, in die sich höchstens ein paar Handvoll Graupel
mischten, gab es manchmal nachts, eher diskret als verstörend. Am
Morgen prüften Blicke von Balkonen und unter hinaufgezogenen
Jalousien hinweg in der Elmedinger Gartenvorstadt den Himmel.
Irgendetwas stimmte nicht mit der ironisch lachenden Neun-Uhr-Sonne
zwischen den Wolkentuffs …
Die Schulkinder hatten ihren Lärm aus den Gassen abgezogen und die
Kindergartenkinder ihre Laufpfade abgetrottet. Drüben an der Haltestelle
warteten die nicht normalen Kinder auf ihren Schulbus.

Ich glaube, ich würde den ganzen Tag dasitzen und heulen. Bernd steht morgens zwischen den Kindern an der Haltestelle, ein Niemand. Andere, die in die Regelschule gehen, entdecken ihn, lachen ihn aus oder machen einen Bogen um ihn. Die Greegers, heißt es im Viertel, haben Pech gehabt mit ihrem Ältesten. Der Bus hält. Die Tür öffnet sich. Er schnappt die Kinder. Tür zu. Sie verschwinden im Berg des Rattenfängers Sonderschule. Jeden Schultag aufs Neue. Und die Eltern sind ahnungslos, was dort mit den Ausgesonderten getrieben wird. Gegen 16 Uhr werden sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgesetzt: Yasemin Yilmaz, Kim Tuktu, Arben Lukac, Giovanni Batista, Nikolajew Braun. Bernd Greeger?

Ihr Kind wäre aus der Normalität ausgegrenzt, weil ein Lehrer in seiner
undurchschaubaren Rolle mit einem Schwall von Behauptungen Unruhe
stiftete, Behauptungen, die kein normaler Mensch nachprüfen konnte.
Wem gehörte denn das Kind, dem Staat etwa? Trat man für das bisschen
Kindergeld im Monat die Rechte an ihn ab? Ingrid würde kämpfen, das
wusste sie. Helmut hatte vor dem Test gewarnt, kein blinder Fleck hatte
ihm die Linse getrübt. Recht hatte er gehabt. Auf den ominösen
Beratungslehrer durfte man sich nicht einlassen in einer Zeit, in der sich
die öffentliche Diskussion mit der Abschaffung der Sonderschulen
beschäftigte. Vergangene Woche im Fernsehen war in einer Reportage
betont worden, dass sogar schwer behinderte Schüler in Regelschulen
erfolgreich zu fördern seien. Es dürfe nicht an gutem Willen fehlen und
Lehrerinnen oder Lehrer hätten sich ausreichend um das einzelne Kind zu
kümmern. Chancengleichheit für alle, Aussonderung sei nicht mehr
zeitgemäß. So einfach war das. Bernd saß nicht im Rollstuhl und war nicht
blind. Und da sollte er auf der Strecke bleiben?

Ingrid stellte die Gasflamme ab, die Kartoffeln würden nachgaren und
weich sein, bis sie zurückkäme. Die Schaltuhr des Mikrowellengerätes war
abgelaufen. Ingrid hatte das Signal überhört und den Spinat nicht
umgerührt und überprüft. Um alltagskulinarische Gegenwärtigkeit
bemüht, hatte sie zu entscheiden, ob sie ihn gleich abschmecken oder es
aufschieben sollte.
Im verflixten Haushalt hast du von morgens bis abends Entscheidungen zu treffen, Alltagsentscheidungen, Allerweltsentscheidungen, für die du sogleich einstehen musst. Man kann über Belanglosigkeiten lächeln, solange sie funktionieren. Läuft etwas schief, werden sie bedeutsam und schlagen auf dich zurück. Steht unwiderruflich Wichtiges an, reden einem alle möglichen Leute dazwischen und versuchen mitzubestimmen. Sie bestreiten dir die Fähigkeit, selbst einzuschätzen oder zu beurteilen, was fällig wäre …

Von nun an gehörte das Hin- und Herschieben von Sätzen voller
Auslassungszeichen zum ermüdenden Spiel zwischen Bernds Eltern. Die
angelegte Lunte würde sich in Bruchteilen von Zeit in einer Wolke aus
Verzweiflung und Empörung entzünden …



* Ella Büngerts Traumakte, Roman, Mauerverlag April 2006
ISBN 3-938606-21-5

Zum Inhalt:
Die einst gefeierte Schauspielerin Ella Büngert lebt
in der geriatrischen Klinik Altenburg.
Altersverwirrtheit lautet die Diagnose.
Erinnerungen an Vergangenes, an Bühnenrollen
und Erlebtes vermischen sich scheinbar
unkontrolliert mit der Alltagsnormalität des
Heimes. Bei einem der Versuche, aus der
Heimkontrolle auszubrechen, reißt Ella ihre
Zimmergenossin Babuschka mit. Für ein paar
Minuten erschlichener Freiheit büßen die beiden
Frauen bitter ….
Ella Büngerts Traumakte ist ein einfühlsamer,
aufrüttelnder Text über alternde Menschen, ihre
Annäherung an den Tod und ihre Versuche, ihre
Würde bis zuletzt zu bewahren. Zugleich birgt er
ein packendes Stück Theatergeschichte.

Leseprobe:

Meinem Gefühl nach ist es kurz vor sieben. Gleich werden sie mich aus
dem Bett reißen. Früher haben die Glocken schon um sechs geläutet.
Eigentlich erinnere ich mich nicht an früher. Das heißt, nicht genau. Das
heißt, zuviel. Denn wenn mir etwas einfällt, bringt es seine Gerüche mit,
seine Bilder, seine Klänge, seine ganze Beleuchtung. Ich vergesse, woran
ich denken wollte. Dr. Lohmüller sagt, mit seinem neuen Präparat
bekämen wir das weg. Er meint die grünen Pillen. Die Ärzte wollen, dass
man an ihr Zeug glaubt, damit es wirkt. Glaube, Liebe, Hoffnung - aus
uralten Mysterienspielen entwickelte sich das ganze Theater. Ob das der
Lohmüller weiß?
Liebe Frau Büngert, sagt er, liebe Frau Büngert.
Danach sah Dr. Lohmüller mich an, als sei er mein Schulfreund Toni
damals aus dem Nachbarhaus: Ich sehe was, was du nicht siehst.
Tonis Verstand war anders als der Verstand aller Leute. Der Junge
verarbeitete mehrere Sachen gleichzeitig. Obwohl es immer heißt, das sei
nicht möglich. Wer ihn kannte, tuschelte, Toni wäre nicht ganz klar.
Vielleicht hing das mit den merkwürdigen Augen zusammen, die schräg zu
den Häusern standen, zu den Bäumen, den Menschen und allen Dingen.
Jedes Auge für sich sah aus, als sei es nicht für die Hälfte eines Paares
gedacht, sondern völlig unabhängig vom anderen. Chamäleonaugen.
Aber hinterher wusste Toni am allerbesten von uns Kindern, wie etwas
ausgesehen hatte … Toni sah gleich alles von mehreren Seiten aus …
Warum ist niemand gekommen, um mich aus dem Bett zu reißen? Die
Schmidt schnarcht auch noch …

Gestern hatten wir Badetermin. Da lassen sie einen nicht los, packen dich
und schleppen dich zur Wanne. All das Zeug, das runterhängt an dir,
wenn du nackt bist, scheinen die Jungs, die mit anfassen, weil es für
die Schwestern sonst zu schwer wäre, scheinen die gar nicht wahrzunehmen.
Vielleicht ist es unnötig, dass ich mich für mein müdes Fett schäme und
die viele weiße Haut, die fahl bleiben wird, falls ich hier nie mehr
rauskomme.
Zwei Badewannen in einer Kabine und drei solcher durch einen offenen
Durchgang getrennte Baderäume nebeneinander. Da kriegst du was mit
von allen Seiten. Aber niemanden lassen sie länger im Wasser als fünfzehn
Minuten, sonst bekämen sie uns gar nicht durch. Der Wecker tickt
nebenher, die Zeit drängt. Keine Geschichte kannst du zu Ende denken,
während sie an dir herumschrubben, dich weichen lassen, einseifen und
zuletzt mit Wasser abspülen, das dich fremd berührt wie die Hände, die es
über dich gießen. Es riecht verwaltet und amtlich registriert. Der Geruch
des ganzen Altersheimes, der tief in die Wände und Leitungen
eingedrungen ist.
Augen zu, wir waschen das Gesicht, kommandiert jemand, und während
ich gehorche, fällt mir der Tag ein, an dem sich mir der Tod näherte. Es
war in Irland am westlichsten Punkt Europas …